ORF Beitrag Kultur Heute

Das gemeinsame Projekt des Fotografen Michael Liebert und des Aktionskünstlers und Malers donhofer. spielt mit Kontrasten. Die Porträts sind auf einem Holi-Festival entstanden. Ursprünglich ist das religiöse Holi-Fest ein aus Indien stammendes Frühlingsfest. Auch bekannt als „Fest der Farben“, wurde dieses in unseren Breiten entsakralisiert und zu einem kommerziellen, partyähnlichen Event adaptiert. Zu Musik bewerfen sich die Partypeople ausgelassen mit Farbpulver, dabei geht es ausschließlich um den Fun-Faktor und nicht darum „Farbe zu bekennen“.

Die Künstler greifen diese deutsche Redensart, die so viel bedeutet wie „sich zu einer Sache bekennen oder seine Meinung offen sagen“ auf. Der Betrachter wirft einen Blick auf die Porträtierten und bildet sich sein (Vor-)Urteil. Der Schriftzug „Ich bin ja nicht ..., aber“ lädt ein zur Wiedererkennung: Zum Sich-selbst-Ertappen bei sexistischen, homophoben, rassistischen und ähnlichen misanthropischen Gedanken. Die Reflexion der relativierten Menschenfeindlichkeit offenbart wie tief Sexismus, Homophobie und Rassismus in unserem Alltag verwurzelt ist. Dabei ist das beinahe entschuldigende „Ich bin ja nicht ..., aber“ signifikant österreichisch. Die Uneindeutigkeit zeugt von Rückratlosigkeit, Bequemlichkeit, Angepasstheit und Bloß-nicht-anecken-wollen. Die Porträtierten und Betrachter haben eines gemeinsam: Sie sind Mitglieder einer (Spaß-)Gesellschaft, die lieber im bunten Pulvernebel tanzen, anstatt Haltung zu zeigen. Sie machen sich lieber schmutzig, als eindeutig Farbe zu bekennen.

Fotocredit: © Eva Kelety

Fotocredit: © Eva Kelety

Fotocredit: © Michael Liebert, donhofer.

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